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Reisebericht Äthiopien 2009 von Siegfried Menthel
Liebe Gemeinde!
Sehr gern komme ich der Bitte nach, über unsere letzte Reise nach Äthiopien zu berichten. Zu viert sind wir – Margit Meuche, Anne Schulze, Björn Schünemann und ich – vom 3. bis 21. März 2009 dorthin gereist, um uns vor Ort über die Fortführung des AIDS-Waisen-Projekts zu informieren und um unsere Partnergemeinde in Chanka zu besuchen. Mit vielen bedrückenden, aber auch beglückenden Erfahrungen konfrontiert, sind wir dankbar und sehr motiviert heimgekehrt.
Zusammen mit Frau Beshatu – der von der Kirche angestellten Sozialarbeiterin – besuchten wir in Dembidollo Jabesa Bekele. Nach dem Tod der Eltern kümmert sich der junge Lehrer um seine vier jüngeren Geschwister. Als wir ihn vor fünf Jahren kennenlernten, war er noch Student. „Ich habe meine ganze Jugend meinen Geschwistern gewidmet“, sagt Jabesa. Heiraten und eine eigene Familie will er erst, wenn auch seine jüngsten Schwestern auf eigenen Füßen stehen. Sie sind jetzt neun und elf Jahre alt, während die beiden älteren Geschwister schon in der Berufsausbildung sind. Jabesa beeindruckt uns: ein junger Mann hat es offenbar geschafft, seinen jüngeren Geschwistern zwar nicht die Eltern zu ersetzen, ihnen aber auf dem Weg ins Leben Halt und Stütze zu sein. Er berichtet, wie wichtig die finanzielle Unterstützung aus unserer Gemeinde dabei sei.
Frau Beshatu, in deren Händen die Betreuung der von AIDS betroffenen Familien und die Verteilung der Gelder liegen, hat ein großes Herz. Sie sei auch Mutter und das Schicksal der Waisenkinder gehe ihr sehr nahe, sagt sie. Ihre größte Freude sei, wenn ein von ihr betreutes Kind einen guten Schulabschluss schaffe oder sogar ein Studium beginne. Sie sorgt dafür, dass die Allerbedürftigsten unterstützt werden. Das sei oft eine schwierige Entscheidung, weil die Größe der Not in gar keinem Verhältnis zu den verfügbaren Mitteln stehe. Es beeindruckt uns sehr, dass sie auf die Hilfsbedürftigkeit und nicht auf die Kirchenzugehörigkeit blickt.
Davon können wir uns in Chanka überzeugen. Von den sechs Familien, die wir zusammen mit zwei Ehrenamtlichen aus der Kirchengemeinde besuchen, sind zwei Familien muslimisch. Wir kommen zu Sara Hussein. Die 39jährige Mutter ist HIV-positiv. Ihre drei Kinder sind 17, 14 und 12 Jahre alt. Sie liegt auf der Matte ihrer Hütte und ist sehr schwach. Dann erzählt sie uns, dass sie im Krankenhaus von der Möglichkeit erfuhr, von Frau Beshatu finanzielle Unterstützung zu bekommen.
Während in der Vergangenheit die Diagnose „HIV positiv“ einem sicheren Todesurteil gleichkam, weil die lebensrettenden antiretroviralen Medikamente für diese armen Menschen unerreichbar teuer waren, bekommen sie diese jetzt dank einer UNO-Initiative umsonst. Das ist ein riesiger Fortschritt!
Doch Medikamente allein tun es nicht – der Mensch braucht auch Essen und Trinken. Wenn er aber – der Krankheit wegen – nicht arbeiten und nichts verdienen kann….?
Deshalb hat Frau Beshatu damit begonnen, aus dem AIDS-Waisen-Fonds auch Väter und Mütter zu unterstützen, die an AIDS erkrankt und so arm sind, dass sie trotz der Medikamente an Hunger sterben würden. Wenn wir weiterhin um Spenden für AIDS-Waisen bitten, wissen wir nun, dass ein Teil dieser Mittel dafür eingesetzt wird, damit Kinder gar nicht erst zu Waisen werden.
So sehr die Armut uns erschüttert hat, die uns bei diesen Besuchen begegnete, so froh und dankbar hat es uns gestimmt, dass wir vor Ort Partner haben, die mit offenen Augen und gütigen Herzen tun, was sie können. Mit ihnen zusammen zu arbeiten und Menschen wirklich helfen zu können, ist sehr motivierend.
Darum sind wir froh, unseren Partnern in Äthiopien mitteilen zu können, dass wir ab Mitte 2009 nicht nur 100, sondern 150 Kinder aus den von AIDS betroffenen Familien fördern werden. Die hohen Einnahmen, die wir in den beiden letzten Jahren für das AIDS-Waisen-Projekt hatten, erlauben uns, diese Zusage für die nächsten 5 Jahre zu geben. Wir bedanken uns bei allen, die hier in Berlin und in unseren Partnergemeinden in Hinschenfelde und Wassenaar dabei mithelfen!
Neben vielen Grüßen aus Dembidollo und Chanka bringen wir auch die Erfahrung mit, auf dem Weg zu den armen Leuten den Weg Christi in unsere Welt ein Stückchen mitgegangen zu sein.
Viele liebe Grüße! Ihr Siegfried Menthel
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